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5. Juli 2009

Es interessiert mich nicht, womit Du Deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach Du innerlich schreist und ob Du zu träumen wagst,
der Sehnsucht Deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist.
Ich will wissen, ob Du es riskierst, wie ein Narr auszusehen,
um Deiner Liebe willen, um Deiner Träume willen
und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu Deinem Mond stehen.
Ich will wissen, ob Du den tiefsten Punkt Deines eigenen Leides berührt hast,
ob Du geöffnet worden bist von all dem Verrat,
oder ob Du zusammengezogen und verschlossen bist
aus Angst vor weiterer Qual.

Ich will wissen ob Du mit dem Schmerz – meinem und Deinem – dasitzen kannst,
ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.

Ich will wissen ob Du mit Freude – meiner und Deiner – dasitzen kannst,
ob Du mit Wildheit tanzen und Dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst,
von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen,
ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft
oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du erzählst, wahr ist.
Ich will wissen, ob Du jemanden enttäuschen kannst,
um Dir selber treu zu sein.
Ob Du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst
und nicht Deine eigene Seele verrätst.

Ich will wissen, ob Du vertrauensvoll sein kannst
und von daher vertrauenswürdig.

Ich will wissen, ob Du die Schönheit sehen kannst,
auch, wenn es nicht jeden Tag schön ist
und ob Du Dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst.

Ich will wissen, ob Du mit dem Scheitern – meinem und Deinem – leben kannst
und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst
und zu dem Silber des Vollmonds rufst: “Ja!”

Es interessiert mich nicht zu erfahren, wo Du lebst und wieviel Geld Du hast.
Ich will wissen, ob Du aufstehen kannst
nach einer Nacht der Trauer und Verzweiflung,
erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen,
und tust, was für die Kinder getan werden muß.

Es interessiert mich nicht, wer Du bist und wie Du hergekommen bist.
Ich will wissen, ob Du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst
und nicht zurückschreckst.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem Du gelernt hast.
Ich will wissen, was Dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt.

Ich will wissen, ob Du allein sein kannst
und in den leeren Momenten wirklich gern mit Dir zusammen bist.

Copyright by Oriah Mountain Dreamer

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5 Kommentare

  1. Zu jedem punkt ein leider nein, ich hasse das alleine sein.


  2. Auch dieses sind wieder Zeilen, die mich berühren.

    Die Dinge, die mit ‚Es interessiert mich nicht …‘ beginnen habe ich früher viel zu wichtig genommen und merke gerade, wie schön es ist Menschen kennen zu lernen wenn man genau darauf nicht achtet.

    „Ich will wissen, was Dich von innen hält, wenn sonst alles weg fällt.“! Ich werde öfter vorbeischauen, Frau Kreativgut 🙂

    @BlackMirror: Keiner ist sicher gerne allein, aber ich denke inzwischen, wer nicht auch gut alleine sein kann kann auch nicht gut zusammen sein.


    • Vielen Dank für Deine Kommentare! Sie bestätigen mir, daß es noch andere Menschen gibt, denen das Geschriebene gefällt, und die sich auch mal Gedanken darüber machen können. Und das bedeutet, daß ich mich mal wieder hinsetzen sollte, und an meinem blog weiterbasteln! 🙂


  3. danke für diesen wunderbaren text – ich finde ihn herrlich. die frage ist: findet man jemanden, der diesen text *auch* leben kann, der dieselben fragen und antworten stellt bzw. gibt. es muß eine seelenverwandtschaft sein.
    wäre es möglich, diesen text auch in mein weblog zu übernehmen?
    vielen dank für die antwort und liebe grüße
    elisabetta


    • Mich freut, daß Dir dieser Text gefällt. Dieser Text hat mich sofort ganz persönlich angesprochen, und ich hab mir schon viele Gedanken darüber gemacht. Natürlich ist es möglich, daß Du diesen Text in Deinen webblog übernehmen kannst, es würde mich sogar sehr freuen! 🙂



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