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Spiegelungen

11. Juni 2009

Manchmal werde ich verwundert darauf angesprochen, warum ich auch in einer nervig-stressigen Situation noch mit einem Lächeln reagieren kann (wobei das nicht immer zutrifft, auch ich hab genervte Tage!). Dann denk ich an folgendes Märchen:

Der Tempel der tausend Spiegel

Einer indischen Sage nach steht in Tibet der „Tempel der tausend Spiegel“. Es ist ein runder Tempel, der innen ringsum mit vielen, vielen Spiegeln ausgekleidet ist.

Eines Tages kommt ein Hund zu dem Tempel. Er schnuppert kritisch, geht die Stufen hinauf, runzelt die Stirn und fletscht schon mal vorsichtshalber die Zähne. Falls andere Hunde im Tempel sind, sollen sie sofort Angst bekommen. So geht er durch die Tür. Tausend Hunde stehen ihm mit gefletschten Zähnen gegenüber. Sofort beginnt er wie wild zu bellen. Im selben Moment bellen ihm tausend Hunde entgegen. Das ist zu viel. Verstört rennt er raus: „Hab ich’s doch gleich gesagt. Die Welt ist voller böser Hunde. Das nächste Mal muss ich noch böser sein.“

Am Nachmittag kommt ein anderer Hund zu dem Tempel. Er ist gut gelaunt, genießt die Sonne und freut sich darauf, etwas Neues zu entdecken. Schwanzwedelnd läuft er die Stufen hoch in den Tempel. Und was sieht er: Tausend Hunde blicken ihn freundlich und schwanzwedelnd an: „Wusst‘ ich’s doch schon immer. Die Welt ist voller netter Hunde.“ Er fühlt sich wieder bestätigt und läuft mit Stolz und guter Laune weiter.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann wedelt er noch heute.

Verfasser ist mir unbekannt

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